In Gedenken an die Opfer des Holocaust

August-Gottschalk-Haus öffnet anlässlich des Holocaust-Gedenktages am Dienstag, 27. Januar 2026 von 14 – 17 Uhr.

Öffentliche Führung 15.00 Uhr

Holocaust-Gedenktag 2026

Wir erinnern heute, zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau der sechs Millionen Opfer des Nationalsozialismus, getötet aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer politischen Einstellung oder ihrer sexuellen Orientierung. Unter den Opfern waren auch Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und körperlich Versehrte, die durch die staatliche Euthanasie ums Leben kamen.

Bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 wurden allein im Konzentrationslager-Komplex Auschwitz, der insgesamt aus drei Lagern bestand und somit das größte Arbeits- und Vernichtungslager war, etwa 1,5 Millionen Juden und viele tausend Sinti, Roma und Polen ermordet.

Unter den Opfern von Auschwitz waren die Geschwister Marga (1927), Franziska (1930), Zitta (1931) und Hartog (1936) Weinthal. Ihre Geschichten stehen hier stellvertretend und mahnend für all die Opfer, die es nicht zu vergessen gilt.

Nach der Machterlangung der Nationalsozialisten wird Vater Joseph Cohen als einer der Ersten mit einem Berufsverbot belegt. Die Familie verbringt daraufhin ein Jahr in den Niederlanden, kehrt allerdings 1934 wieder nach Esens zurück. Es ist davon auszugehen, dass die Familie hier Demütigungen ausgesetzt ist und massiv bedroht wird. Daraufhin flieht Joseph 1937 nach Groningen (Niederlande). Seine Frau Mary und die Kinder folgen ihm wenig später. Am 24. Dezember 1942 werden Mary und die Kinder nach Westerbork deportiert, von wo aus sie Anfang Januar 1943 nach Ausschwitz deportiert werden. Am 14. Januar 1943 werden dort Josephs Frau Mary, die vier jüngsten Kinder Marga, Franziska, Zitta und der erst sechs Jahre alte Hartog sowie seine Mutter Hanni ermordet. Ihr Vater Joseph wird drei Monate später, am 16. April 1943 in Sobibor ermordet. 

Helga, die älteste Tochter der Cohens überlebt als einziges Familienmitglied den Krieg. Gerd Rokahr berichtet in seinem Buch „Die Juden in Esens“, es sei ihr gelungen, aus einem Transportzug zu springen und so zu entkommen. 

Quelle: Rokahr, Gerd: Die Juden in Esens, Aurich 1987. Textauszug: Jana und Sabine Manthey (Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine Esens)

Die Gefahr des Vergessens ist groß, denn die Zahl der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nimmt stetig ab. Es liegt an uns, die Erinnerung lebendig zu halten – nicht nur an diesem Tag. Wir müssen dem wieder aufkeimenden Antisemitismus und jeder Form von Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegentreten.

Ebenso sind wir gefordert, den Kontakt zu den Überlebenden sowie zu den Nachkommen unserer einstigen Mitbürgerinnen, Nachbarn und Freunde zu suchen und zu pflegen. Es darf nicht sein, dass Jüdinnen und Juden in unserer heutigen Gesellschaft ihre religiöse Identität verbergen, um sich sicher zu fühlen, oder gar über Emigration nachdenken müssen.

Angesichts dieser Entwicklungen müssen wir uns fragen: Was haben wir wirklich aus der Vergangenheit gelernt? Die Verantwortung liegt bei uns allen, dafür zu sorgen, dass solche Verbrechen und dieses Unrecht niemals wieder geschehen.